13/01/2013

Brief an unsere Priester-Mitbrüder Nr. 3


Brief an unsere Priester-Mitbrüder Nr. 3
von Antimodernisme.info



Übersetzungsentwurf aus dem Französischen 
von Paul O. Schenker

Unsere Priester von antimodernisme.info haben es geschafft, außerordentliche Zitate von Mgr. Lefebvre zu finden. Dieses Dokument scheint uns eines der durchschlagendsten und überzeugendsten seit dem Beginn der Krise der Bruderschaft zu sein. Es soll mit Aufmerksamkeit gelesen und meditiert und immer wieder gelesen und meditiert werden...
Antimodernisme: dieser Brief an unsere Priester-Mitbrüder Nr. 3 wird im Verlaufe des Januar allen Priestern der FSSPX zugestellt werden. Mögen sich die Gläubigen, die sich darüber mit ihren Priestern aussprechen möchten, nicht beeindrucken lassen von Antworten, die keine sind, wie: "Sie unterschreiben nicht, sie sind nicht mutig". Denn wenn sie unterschreiben würden, würde man sagen: "Sie sind subversiv und ungehorsam". All das gehört nicht zum Thema. Es ist nicht wichtig, wer es sagt. Es geht darum, das zu bewerten, was man sagt. Und man muss darüber urteilen im Lichte der katholischen Prinzipien. Nun aber fürchtet sich der Liberale, nach den Prinzipien zu urteilen, denn dies verpflichtet und ist hart...

Brief an unsere Priester-Mitbrüder

Dreimonatlicher Brief der Verbindung zwischen den Mitgliedern der Priesterbruderschaft St. Pius X.
(Nr. 3 - Winter 2013)

Unsere Statuten verlangen es, "mit Sorgfalt die modernen Irrtümer, besonders den Liberalismus und all seine Nachfolger zu meiden". Sie verpflichten auch den Generaloberen und die Assistenten, darüber zu wachen, dass die Bruderschaft nicht "in die Lauheit" noch "in einen Kompromiss mit dem Geist der Welt" fällt. Im Lichte der Lehren unseres Gründers, Mgr. Lefebvre, und unseres Generalobern, Mgr. Fellay, nehmen wir uns vor, in diesem Sinne zu arbeiten.

Der Generalrat rief am 14. April 2012 den drei Bischöfen die Notwendigkeit in Erinnerung, die "erforderlichen Unterscheidungen" zu machen "hinsichtlich des Liberalen", um "eine 'absolute' Verhärtung" zu vermeiden. In der Tat, der konziliare Liberale will einen Kompromiss der Kirche mit der Welt, während der traditionalistische Liberale einen Kompromiss der katholischen Tradition mit der Konzilskirche, der Freundin der Welt, will. In einer Ansprache in Ecône im Dezember 1973 bemerkte Mgr. Lefebre, dass unser "Drama" heute "unendlich schwerwiegender" ist als in der Vergangenheit, denn "die Liberalen sind nun über die ganze Kirche verbreitet, und man fragt sich, wer es nicht ist! Man wird bald an den Fingern jene abzählen, die die Lehre der Kirche wirklich bewahren!" Die Argumente der "katholischen Liberalen" waren:

"Die Kirche muss sich mit der Gesellschaft, in der wir leben, arrangieren; wir können nicht endlos am Rande der Gesellschaft leben; die Kirche muss endlich die Welt annehmen wie sie ist, um in ihr Inneres zu dringen und sie angeblich zu bekehren... Die Trennung der Kirche und des Staates, die Kirche auf gleicher Ebene mit allen anderen Religionen, die Freiheit der Presse, die Freiheit des Gewissens..., man kann nicht endlos kämpfen gegen alle diese Dinge. Das sind nun Dinge, die anerkannt sind von aller Welt, selbst von Priestern!"
"Doch", antwortete Mgr. Lefebvre, "Entweder oder. Entweder ist es das Ende der katholischen Religion oder wir verteidigen wirklich unseren Herrn Jesus Christus und die ganze Kirche und die ganze Religion ... Wenn man beginnt, mit dem Bösen unter einem Dach zu wohnen, zu parlamentieren, Kompromisse zu machen, ist die Sache verloren, verloren."



I) DEN LIBERALISMUS STUDIEREN IST EINE PASTORALE PFLICHT

Das Kapitel hat mehrmals auf der ernsten Pflicht des Studiums des Priesters bestanden. Unter den unbedingt zu studierenden Themen nimmt der Liberalismus eine wichtige Stellung ein. Anlässlich von Exerzitien in Ecône am 22. September 1988 machte Mgr. Lefebvre sein Erstaunen bekannt angesichts der "Anzahl Enzykliken über das Freimaurertum".
"Warum soll man über diese Dinge im Seminar reden, als ob man das im Seminar wissen müsste, als ob man dies unseren Gläubigen beibringen müsste? Aber wenn man die Quelle der Irrtümer nicht kennt, was die Gesellschaften, die Seelen der Kirche zerstört, wären wir unfähige Hirten... es ist eine absolute Notwendigkeit, den Liberalismus zu studieren und ihn gut zu kennen, und ich denke, dass viele von jenen, die uns verlassen haben, um sich sozusagen wieder Rom anzuschließen, nicht begriffen haben, was der Liberalismus ist und wie die römischen Autoritäten seit dem Konzil verseucht sind von diesen Irrtümern. Wenn sie begriffen hätten, wären sie geflohen und mit uns zusammen geblieben. Das ist schlimm, denn, indem man sich diesen Autoritäten nähert, wird man zwingend angesteckt. Sie sind die Autoritäten und wir die Untergebenen... Sie zwingen uns ihre Prinzipien auf ... solange sie sich dieser Irrtümer des Liberalismus nicht entledigt haben, gibt es keine Mittel, sich mit ihnen zu verstehen, das ist nicht möglich."
Die "vereinbarungswilligen" Mitbrüder und die Priester, die die Gunst des Leiters der DICI haben, der beiläufig auch der Gründer des GREC ist, haben sie die von Mgr. empfohlenen Werke zum Thema gelesen und verstanden? Wenn ja, wie konnten sie es wünschen, die Tradition unter die römische Autorität zu stellen? Rom betrügt die Welt, demütigt die Kirche, und anstatt diesen Betrug anzuprangern, sucht man, von ihnen "so wie wir sind" anerkannt zu werden. (1) Und dies, obwohl man weiß, dass "die Diskussionen eine tiefe Uneinigkeit offenbart haben in allen besprochenen Punkten" (2). Warum eine solche Blindheit, wenn es nicht aus Unkenntnis des Liberalismus ist?

II) DER LIBERALISMUS IST UNLOGISCH

"Wir sind dermaßen versucht von der Unlogik, die ganz nahe beim Liberalismus ist. Der Liberale ist jener, der versucht wäre, nicht seiner Intelligenz zu folgen in der Praxis, weil es schwierig wäre, weil es hart ist. Er sieht (ein), aber in der Praxis macht er Kompromisse. Er macht Kompromisse mit sich selbst, aber dieser Kompromiss ist die Sünde. Wir sind unlogisch, wenn wir sündigen... es gibt immer Gründe zu sagen: "das war gut seinerzeit, das wird vielleicht gut sein später, aber jetzt, nein... Es gibt Wahrheiten, aber man soll sie nicht sagen, sie nicht behaupten/beteuern". Somit soll diese Haltung nicht die unsrige sein in unserem Leben. Wir müssen es vermeiden, Unlogische zu sein, Leute zu sein, die immer Kompromisse machen, ständig Kompromisse machen, Kompromisse machen..." (3)
Mgr. Fellay und seine Berater schrieben jedoch den drei Bischöfen: "Um des Wohles der Bruderschaft willen würden wir bei weitem die gegenwärtige Lösung des vorläufigen Status Quo vorziehen, aber offensichtlich will Rom diesen nicht mehr tolerieren." (Mgr. Fellay, Brief vom 14. April 2012)

III) DIE TUGEND DER VORSICHT

"Die katholischen Liberalen haben nicht aufgehört zu antworten, dass sie einen Willen zur Rechtgläubigkeit haben gleich jenem der Kompromisslosesten. Die Schlichtung, die sie gesucht haben ist nicht eine theoretische, sondern eine praktische." ... sie kehren immer wieder auf dies zurück. Sie sagen uns: "ihr seht, wir sind Hirten. Wir, wir sind in der Realität, wir sind konkrete Leute, wir sind praktische Leute!" Was ist die Praxis? Die Praxis ist die Anwendung der Prinzipien durch die Tugend der Vorsicht, es ist nichts anderes. Was ist die Praxis, wenn es keine Prinzipien mehr gibt? ... "ja, ja, ja, wir sind einverstanden, wir haben das gleiche Credo wie ihr, usw. Ja, aber wenn wir in der Welt sind, dann ja, muss man sich auf der Ebene der andern angleichen, mit den andern sein, andernfalls ihr nie bekehren werdet". Völliger Irrtum! ... Die Päpste haben diese Gefahr erkannt dieser Katholiken, die fast ungreifbar sind, weil sie, wenn man sie ergreifen will, behaupten: "Nein, nein, ich bin einverstanden". Aber nachher machen sie Pakte mit den Feinden der Kirche... Es sind Verräter... schlimmer als die erklärten Feinde... sie spalten die Geister, zerreißen die Einheit, schwächen die Kräfte, die alle vereinigt werden sollten gegen den Feind... Man wird euch sagen, Ihr seid es, die spalten, aber man kann nicht spalten, wenn man sich an die Wahrheit hält... jene, die entzweien, sind jene, die versuchen, die Wahrheit herabzumindern, um sich mit der Welt zu verstehen... jene, die im Irrtum sind, müssen sich bekehren zur Wahrheit und nicht versuchen, einen Boden der Verständigung zwischen der Wahrheit und dem Irrtum zu finden..." (4)

Beim Konzil haben die Liberalen die Katholiken eingeschläfert, indem sie ihnen sagten, sie würden die Dogmen nicht antasten, sondern Seelsorge (Pastoral) betreiben. Beim Rat der Bruderschaft schläfern uns die Liberalen ein, indem sie sagen, dass man die katholischen Prinzipien nicht antaste, sondern dass es sich "nicht um eine menschliche Vorsicht handle" sondern um übernatürliche Vorsicht, um "ein extrem delikates Gleichgewicht, das den Beistand des Heiligen Geistes erfordert und die Gabe des Rates" (5) Mgr Lefebvre in einer Ansprache von 1978, (mit dem Beistand des Heiligen Geistes?), erklärte:

"Ich denke, dass beim nächsten Treffen ich es bin, der ihnen Fragen stellen wird. Ich werde sie vernehmen, um ihnen zu sagen: "Welche Kirche seid ihr?" Mit welcher Kirche haben wir es zu tun, ich, ich möchte es wissen, ob ich es mit der katholischen Kirche zu tun habe, oder ob ich es mit einer anderen Kirche zu tun habe, einer Gegen-Kirche, einer Fälschung von Kirche?... Ich glaube aufrichtig, dass wir es mit einer Fälschung von Kirche zu tun haben und nicht mit der katholischen Kirche. Warum? Weil sie nicht mehr den katholischen Glauben lehren. Sie verteidigen den katholischen Glauben nicht mehr. Sie reißen die Kirche fort zu etwas anderem als die katholische Kirche. Es ist nicht mehr die katholische Kirche. Sie sitzen auf dem Stuhl ihrer Vorläufer, aber sie setzen nicht ihre Vorläufer fort."

Mgr. Fellay denkt nicht so: "Wir reden nicht von einer Kirche in der Luft! Wir reden von der Kirche, die da ist, real, vor uns, mit einer Hierarchie, mit einem Papst. Es ist nicht die Frucht unserer Einbildung: die Kirche ist da, sie ist real, die römisch-katholische Kirche. Wir heißen und bekennen diese Kirche als eine heilige, eine einige, denn der Glaube verpflichtet uns dazu." (6)

IV) DIESE KONKRETE KIRCHE, IST SIE KATHOLISCH?

Mgr. Lefebvre wünschte, "in den offiziellen Rahmen der Kirche zurückzukehren". Jedoch:
"Ich meine, sagte er, dass wir in der Kirche sind und dass wir die wahren Kinder der Kirche sind, und dass die andern es nicht sind. Sie sind es nicht, weil der Liberalismus kein Kind der Kirche ist. Der Liberalismus ist gegen die Kirche, der Liberalismus ist die Vernichtung der Kirche, in diesem Sinne können sie nicht sagen, sie seien Kinder der Kirche... Es gibt ihrer, die bereit wären, den Kampf des Glaubens zu opfern, indem sie sagen: "Kehren wir zuerst in die Kirche zurück! Machen wir alles, um in den offiziellen, öffentlichen Rahmen der Kirche zurückzukehren. Schweigen wir über unser dogmatisches Problem. Sprechen wir nicht mehr über die Bosheit der Messe. Reden wir nicht mehr über die Fragen der Religionsfreiheit, der Menschenrechte, des Ökumenismus. Und, wenn wir einmal im Innern der Kirche sind, werden wir dies tun können, werden wir das tun können... Das ist absolut falsch! Man kann nicht in einen Rahmen zurückkehren, und unter Obere, indem man sagt, man werde alles umstürzen wenn man drinnen sein werde, während sie alles in Händen haben, um uns zu unterdrücken/zu zügeln! Sie haben alle Autorität. Was uns zuerst interessiert, ist den katholischen Glauben aufrechtzuerhalten. Dies ist unser Kampf. Dagegen ist die kanonische Frage, rein äußerlich, öffentlich in der Kirche sekundär. Was wichtig ist, ist in der Kirche zu bleiben... in der Kirche, das heißt im katholischen Glauben aller Zeiten und im wahren Priestertum, und in der wahren Messe, und in den wahren Sakramenten, im Katechismus aller Zeiten, mit der Bibel aller Zeiten. Das interessiert uns. Das ist die Kirche. Öffentlich anerkannt zu sein, das ist zweitrangig. Deshalb darf man nicht das Nachrangige suchen, indem man das Primäre verliert, was der erste Gegenstand unseres Kampfes ist! "Einmal anerkannt, werden wir vielleicht im Innern der Kirche wirken können?"... Das heißt jene schlecht kennen, die uns gegenwärtig führen! Es genügt, jenen berühmten Satz Kardinal Ratzingers zu lesen, um wohl unterrichtet zu sein... Ich werde euch gleich jenen Satz vorlesen, der wesentlich ist in seinem Interview: "Das Problem der Sechzigerjahre war, für die Kirche die besten Werte der liberalen Kultur zu beschaffen, die während zwei Jahrhunderten ausgedrückt wurden... Dies wurde getan". Nun aber sind die Prinzipien der beiden Jahrhunderte liberaler Kultur der Ökumenismus und die Erklärung der Menschenrechte, die Religionsfreiheit! Und Kardinal Ratzinger übernimmt sie. Er sagt: "Es ist getan/geschehen!" ... Dies ist von einer enormen Gravität/Ernst, das! Das verurteilt alles, was er in seinem Interview sagt, denn dies, das ist das Herz seiner Ideen, und das ist, was wir beklagen/vorwerfen, und das ist, was wir nicht wollen. Man kann sich nicht unter eine Autorität begeben, die liberale Ideen hat, die uns unweigerlich, Schritt um Schritt, durch die Macht der Dinge, dazu führt, die liberalen Ideen anzunehmen und alle Konsequenzen dieser liberalen Ideen, welches die neue Messe, die Veränderungen der Liturgie, die Änderungen der Bibel, die Änderungen des Katechismus, alle Änderungen sind... Man sagt: "Aber sie haben gekämpft gegen den Katechismus!"... Das ist nur eine Abbremsung, weil dies so weit geht, dass man doch eine gewisse Bremsung machen musste. Die Folgen ihrer eigenen Prinzipien erschrecken sie. Dann steht auf die Bremse, nach rechts und nach links, aber man ist sehr wohl entschlossen, die liberalen Ideen zu bewahren. Keine Frage, die liberalen Ideen zu ändern!" (7)

Aber Mgr. Fellay erklärte: "Die Priester oder die Bischöfe [und der Papst?] führen die Seelen in die Hölle. [...] Und die Kirche, selbst in diesem Zustand, bleibt heilig, bleibt fähig zu heiligen. Wenn wir heute, meine lieben Brüder, Sakramente empfangen, die Gnade, den Glauben, so ist es durch diese römisch-katholische Kirche, nicht wegen ihrer Mängel, sondern durch diese reale, konkrete Kirche. [...] Sie ist heute fähig, den Glauben zu übermitteln, die Gnade zu vermitteln, die Sakramente." (8) Die Bastard-Messe? Die Häresien des neuen Kirchenrechts und des neuen Katechismus? Die Sünden gegen den Glauben in Assisi...? Mgr Lefebvre predigte nicht so:

"Ich glaube, ihr müsst euch davon überzeugen: ihr stellt wahrhaftig die Kirche dar... in diesen letzten Zeiten, man hat uns gesagt, dass es nötig sei, dass die Tradition in die sichtbare Kirche eintrete. Ich denke, man macht hier einen sehr schlimmen Fehler. Wo ist die sichtbare Kirche? ... wo sind die wahren Erkennungszeichen der Kirche? ... Es ist klar, dass wir es sind, die die Einheit des Glaubens bewahren, welche in der offiziellen Kirche verschwunden ist... wir sind es, welche die Kennzeichen der sichtbaren Kirche haben... Nicht wir sind es, sondern die Modernisten, die aus der Kirche treten. Mit dem Sagen "austreten aus der sichtbaren Kirche", täuscht man sich, indem man die offizielle mit der sichtbaren Kirche gleichsetzt... Also aus der offiziellen Kirche austreten? In einer gewissen Hinsicht, ja, klar. Man muss aus diesem Milieu der Bischöfe austreten, wenn man seine Seele nicht verlieren will. Aber dies genügt nicht, denn es ist in Rom, wo die Häresie installiert ist. Wenn Bischöfe Häretiker sind, ist es nicht ohne Einfluss Roms." (9)

Mgr. Fellay setzt sich klar ab von der Ekklesiologie Mgr. Lefebvres. Unter dem Vorwand des Mysteriums verwechselt und verschmilzt er die katholische Kirche und die Konzilskirche in einer einzigen "konkreten Kirche... die in einem erbärmlichen Zustand ist." (10)

V) DIE ANSTIFTER DER IRRTÜMER UND DES LIBERALISMUS ÖFFENTLICH TADELN

Unsere Statuten verlangen von uns, unerschütterlich der Römischen Kirche und dem Nachfolger des Apostels Petrus verbunden zu sein, wenn er als wahrer Nachfolger Petri handelt", jedoch nicht der Konzilskirche, noch einem Modernisten, der als ein Beispiel der Heiligkeit einen sakrilegischen Papst offeriert, der den Koran küsst, noch einem Papst, der Julia Kriteva einlädt, die Vertreterin der Un-Gläubigen, um "für den Frieden zu beten" (sic). Diese erklärte, nachdem sie Johannes Paul II als Apostel Humanisten zu euch eingeladen hat." Diese Dame wünsche, im Heiligtum, "eine ethische universelle und solidarische Weltregierung." Wie haben gewisse Obere so schweigsam bleiben können und mit dieser Konzilskirche ein Abkommen suchen können, während unser heiliger Patron die katholische Kirche gegen diese "große Bewegung der organisierten Apostasie, in allen Ländern, zur Auferbauung einer universellen Kirche" gewarnt hat." (11)

Das Kapitel will, dass die Bruderschaft in aller "Freiheit" fortfährt, sogar öffentlich die Urheber von Irrtümern des Liberalismus und seiner Folgen" zu tadeln. Nun darf man sich aber nicht das Gesicht verhüllen, wenn der Kopf der Kirche modernistisch ist, der Kopf der Bruderschaft ist heute ernsthaft befleckt mit Liberalismus. Wir haben alle, und besonders die Oberen, eine Gewissenserforschung zu machen: sind wir an unserer Stelle nicht verantwortlich für das Aufkommen des Liberalismus in unserer eigenen Kongregation?
Es ist noch nicht lange her, da hat uns Mgr Fellay erklärt, dass im Jahre 2006 "die Häresien sich erhoben" und "die Autoritäten den modernen und modernistischen Geist des II. Vatikanums verbreiteten", dass aber im Jahre 2012 eine Restauration der Kirche, ad intra, durch Benedikt XVI. erkennbar war, und dass "dies von uns eine neue Positionierung gegenüber der offiziellen Kirche verlange... es handelt sich um einen übernatürlichen Blick auf die Kirche." (12) Wie konnten solche Zeilen geschrieben werden nach Aissisi III? Stellt Benedikt XVI. den Glauben nach innen (ad intra) wieder her, wenn er ad extra interreligiöse Versammlungen organisiert, die von der Kirche verurteilt wurden, sogar zusätzlich mit atheistischen Humanisten, um an "der Förderung des wahren Wohls der Menschheit" zu arbeiten."? Einer unserer Theologen vertraute einem Mitbruder: "Der Kopf Mgr. Fellay ist faul, aber das Kapitel wird ihn daran hindern zu unterschreiben. Man muss in Deckung bleiben (den Kopf einziehen) während 6 Jahren." ist dies so sicher? Ist es genügend? Wieviele Kapitelteilnehmer sind bereit, öffentlich den katholischen Glauben zu bekennen mit allen seinen Konsequenzen:

"Wir haben niemals zu diesem System gehören wollen, das sich selber als Konzilskirche qualifiziert und sich definiert durch den Novus Ordo Missae, den gleichschaltenden Ökumenismus und die Laisierung der gesamten Gesellschaft." (13)

Mgr. Lefebvre hatte sich im Mai 1988 getäuscht. Im September 2012 hat Mgr. Fellay trotz seiner Standesgnaden und seines Beraterteams, trotz "dem Beistand des Heiligen Geistes und der Gabe des Rates", es eingestanden, sich geirrt zu haben hinsichtlich der Absichten des Papstes. Aber, in Wirklichkeit, war der Irrtum nicht dort, denn Benedikt XVI. hat seine Absichten nie verborgen. Das Problem kommt von einer wohlbekannten Auffassung von der "konkreten Kirche", die "ein sehr, sehr schlimmer Irrtum" ist.

Errare humanum est, sed perseverare diabolicum! Der Liberalismus unserer Oberen ist ein Strafgericht für unsere Kongregation. Haben wir nicht unseren Anteil an der Verantwortung in dieser Sünde durch unsere Sorglosigkeit von dem Schatz zu leben, der von unserem Gründer kommt, durch unsere zu große Nachgiebigkeit, durch unsere Anhänglichkeiten am Weltlichen und durch unsere stolze klerikale Hochnäsigkeit?

Vigilate et orate.

Die Redaktion

1) Mgr Fellay, Cor unum, n° 102, Sommer 2012
2) Mgr Fellay, Cor unum, n° 101, März 2012
3) Mgr Lefebvre, Exerzitien in Ecône, 17. September 1981
4) Mgr Lefebvre, Geistliche Konferenz, Ecône, Januar 1974
5) Mgr Fellay, Cor unum, n° 102, Sommer 2012
6) Mgr Fellay, Konferenz in Flavigny, 2. September 2012
7) Mgr Lefebvre, Geistliche Konferenz, Ecône, 21. Dezember 1984
8) Mgr Fellay, 1. November 2012, Ecône
9) Ecône, 9. September 1988
10) Mgr Fellay, Konferenz in Flavigny, 2. September 2012
11) Pius XI., Notre charge apostolique, 25. August 1910
12) Mgr Fellay, Cor unum, n° 101, März 2012
13) Offener Brief der Oberen der FSSPX an Kardinal Gantin, Ecône, 6. Juli 1988

08/01/2013

Mgr Fernando Areas Rifan - von Dom Thomas d'Aquin


            Mgr Fernando Areas Rifan

 von Dom Thomas d'Aquin OSB


Übersetzung von Anne-Catherine



Dieser Artikel ist der erste einer Serie. Dom Thomas d'Aquin, der Prior des Klosters Santa Cruz in Brasilien, bietet uns nach und nach verschiedene Portraits von Persönlichkeiten an, die, im guten wie im schlechten, die Tradition geprägt haben. Einige von ihnen dienen uns als Vorbilder. Andere, wie Mgr Rifan, sind ein Beispiel gerade dafür, was man nicht tun darf.

Mgr Rifan war von jeher ein Mensch, der andere begeistern konnte. Er ist hochintelligent, warmherzig und kontaktfreudig und nie um eine Antwort verlegen, und so gewann er schnell das Vertrauen und die Bewunderung aller.

1974 wurde er von Mgr Antônio de Castro Mayer geweiht und es dauerte nicht lange, bis er  Sekretär des Bischofs von Campos wurde.

Anläßlich meiner Priesterweihe 1980 fand Pater Rifan eine Möglichkeit, nach Ecône zu kommen, und zwar im Rahmen eines „ad limina“-Besuches, den der Bischof von Campos bei dieser Gelegenheit Rom abstattete. Pater Rifan besuchte auch unser Kloster und Dom Gérard erkannte in ihm schnell einen künftigen Bischof.  Die Ereignisse sollten ihm recht geben, aber leider unter völlig anderen Umständen als man es damals hätte vermuten können.

In Brasilien war Pater Rifan von Gläubigen aus Permanência gebeten worden, die Messe in Rio zu lesen; dieser Appell richtete sich allgemein an die Priester von Campos. Ein herzliches Gespräch zwischen Pater Rifan und Rechtsanwalt Júlio Flechman besiegelte damals die Zusammenarbeit zwischen Campos und Rio.

-  „Wir können unseren Gläubigen von Campos nicht das Brot wegnehmen, um es denen von Rio zu
   geben“, argumentierte Pater Rifan, der dieses Apostolat außerhalb der Diözese von Campos [1] 
   vermeiden wollte.

-   „Aber  die Hündlein fressen die Brosamen, die vom Tisch der Kinder herunterfallen“, erwiderte
     sein Gesprächspartner. 

-    Diese Antwort war zu schön, als daß Pater Rifan darauf noch etwas hätte erwidern können.

Campos begann also, Rio seelsorgerisch zu betreuen. Als 1987 Santa Cruz gegründet wurde, dachte Campos daran, uns das Apostolat anzuvertrauen. Wir stimmten aber nur einer Zusammenarbeit zu, da wir keine Verantwortung für so etwas wie eine Pfarrei übernehmen wollten, denn das hätte die Regelmäßigkeit unseres klösterlichen Lebens gestört.

Dieser Zustand dauerte bis 1989 oder 1990 an, als dann Pater Laurent das Apostolat in Rio dauerhaft übernahm, zu dem dann später noch das von Niterói hinzukam.

Zuvor jedoch fanden 1988 die Bischofsweihen statt. Eines schönen Morgens faßte Mgr de Castro Mayer einen Entschluß, dessen Festigkeit seine Umgebung überraschte: sich nach Ecône zu den Bischofsweihen zu begeben. Pater Rifan und die Patres Possidente und Athayde begleiteten ihn.
Bei der Weihezeremonie übersetzte Pater Rifan die kleine Predigt oder vielmehr das Glaubensbekenntnis, das Mgr de Castro Mayer ablegte, um seine Anwesenheit bei dieser Zeremonie zu rechtfertigen und um öffentlich seine Unterstützung des Werkes von Mgr Lefebvre kundzutun. Nebenbei bemerkt war diese kleine Predigt beachtenswert und ein ein großer Trost für Mgr Lefebvre und für alle, die sie hörten.

Nach den Weihen begaben sich Mgr de Castro Mayer und seine Priester nach Le Barroux, wo sie alllerdings nicht wie gewünscht mit Dom Gérard sprechen konnten. Dom Gérard wich ihnen aus und ließ sie auf diese Weise wissen, welcher Seite er zuneigte. Beim Abschied von Le Barroux hinterließ Pater Rifan einen Brief für Dom Gérard, in dem er ihm die unermeßliche Verwirrung und Enttäuschung darlegte, die ein Abkommen zwischen Le Barroux und Rom hervorrufen würde.

Als wir in Brasilien die Nachricht vom Abkommen Dom Gérards mit Rom erhielten, nahmen wir Kontakt mit Mgr Lefebvre und Mgr de Castro Mayer auf, um herauszufinden, was am besten zu tun sei. In diesen schweren Stunden diente Pater Rifan als Mittelsmann, der die Vorschläge Mgr de
Castro Mayers an uns weiterleitete. Der Bischof und seine Priester schlugen uns vor, Santa Cruz zu verlassen und uns in der Diözese Campos niederzulassen. Auf einen Brief Mr Lefebvres hin entschlossen wir uns, anders zu handeln: Santa Cruz zu behalten und die Gründe unseres Bruchs mit Dom Gérard öffentlich zu machen. Die Kirchengüter gehören dem Christkönig und man darf sie weder verschleudern noch sie den Feinden seiner Weltherrschaft überlassen. Pater Rifan kam zusammen mit Pater Tam nach Nova Friburgo, um uns beim Abfassen dieser Erklärung zu helfen.

Später kam er noch einmal, vor allem, um mit Pater Joseph Vannier zu reden, der sich auf die Seite Dom Gérards gestellt, jedoch Achtung vor den Priestern von Campos hatte. Die Patres Possidente und Rifan sprachen mit Pater Joseph, jedoch ohne Erfolg. Ich hatte vor allem auf Pater Possidente gezählt, der ein sehr gutes Verhältnis zu Pater Joseph hatte.

Einige Tage später kam Dom Gérard selbst, zusammen mit Pater Emmanuel Buttler, und versuchte, das Kloster wieder unter seinen Einfluß zu bekommen. Pater Rifan kam erneut zu uns, um uns bei den Gesprächen mit Dom Gérard beizustehen. Wir sprechen ihm an dieser Stelle unseren Dank aus
für all seine Hilfe, die er Santa Cruz geleistet hat und die in so krassem Gegensatz steht zu dem, was er einige Jahre später tat.

Kurz vor oder nach diesen Ereignissen half Pater Rifan uns mit seiner ganzen Erfahrung auf diesem Gebiet beim Predigen einer Mission in dieser Gegend. Am Ende der Mission stellten wir ein Kreuz mit der Inschrift „Rette deine Seele“ auf.

Die Bindung zwischen uns und Pater Rifan wurde noch verstärkt durch eine Reise nach Deutschland, die der Unterstützung des Klosters und der Pfarrei Pater Rifans diente. Wir fuhren dann auch nach Ecône. Mgr Lefebvre nahm uns mit der ihn auszeichnenden Freundlichkeit auf und drückte Pater Rifan eine beträchtliche Summe zum Ankauf des Geländes in die Hand, auf dem er eine neue Kirche errichten wollte – die gleiche Kirche, in der er heute die Unterordnung unter das II. Vatikanum und die liturgischen Erlasse der Konzilskirche predigt. Welch eine Vergeudung!

Nach dem Tod von Mgr de Castro Mayer stellte sich für die Priester von Campos die dringende Frage: Wer sollte ihn ersetzen? Das hätte bereits 1988 geschehen können, aber Campos ließ die Gelegenheit vorübergehen. Nach einigen Beratungen beschloß der treue Klerus, einen Bischof zu wählen und ein kleines „Konklave“ trat zusammen. Mgr de Castro Mayer hatte vor seinem Tod zwei Namen genannt: Pater Emmanuel Possidente und Pater Licinio Rangel. Von Interesse ist die Festellung, daß Mgr de Castro Mayer keine Vorliebe für Pater Rifan hatte.

Gewählt wurde Pater Rangel, da Pater Possidente abgelehnt hatte, obwohl er für diese Aufgabe am besten geeignet gewesen wäre. Mgr Rangel wurde am 28. Juli 1991 in São Fidelis von Mgr Tissier de Mallerais unter der Mitwirkung von Mgr Williamson und Mgr de Galarreta geweiht. Trotz des ihm entgegengebrachten Respekts hatte Mgr Rangel nie zum Führungs-Trio des Klerus von Campos gehört. Die Padres Possidente, Rifan und Athayde hatten soviel Einfluß, daß dies die Arbeit von Mgr Rangel, der ziemlich reserviert und ein wenig schüchtern war, in einem gewissen Sinn behinderte. Dies ist keineswegs abwertend gemeint, weder was Mgr Rangel, noch was die drei einflußreichsten Priester der Diözese angeht. Es ist schlicht eine Tatsache, durch die die darauffolgenden Ereignisse zum Teil erklärt werden können.

Da Pater Rifan von der Priesterbruderschaft St. Pius X. eingeladen wurde, die Priesterexerzitien zu predigen, die dem Generalkapitel vorausgingen, bei dem Mgr Fellay 1994 zum Nachfolger von Pater Schmidberger gewählt wurde, stieg sein Bekannschaftsgrad innerhalb der Tradition. Die Predigt, die er zum Abschluß einer Chartres-Wallfahrt gehalten hatte, begeisterte seine Zuhörer. Und so kam es, daß, nachdem die Bruderschaft nach dem Heiligen Jahr 2000 Kontakt mit Rom aufgenommen und Campos zur Teilnahme aufgefordert hatte, Pater Rifan ausgewählt wurde, um Campos bei den Gesprächen zu vertreten. Das Drama begann.

Die von Rom gestellten Bedingungen erschienen der Priesterbruderschaft St. Pius X. unannehmbar;
Campos hingegen zog es vor, keinen Rückzieher zu machen. Es ist schwer, die Verantwortung der Einzelnen in dieser Sache festzustellen. Sicher ist nur, daß sich Pater Rifan, obwohl er die Anweisungen Mgr Rangels befolgte, als der Mann der Stunde erwies, da er bei den geheimen Verhandlungen der einzige in Rom anwesende Ansprechpartner war. Anzumerken ist, daß Pater Rifan schon seit geraumer Zeit immer häufigere Kontakte zu den Progressisten pflegte und es ihm zur Gewohnheit geworden war, die Erlaubnis zum Lesen der Messe des hl. Pius V. beim Gegner zu 
erbitten. Obwohl dies nicht unbedingt etwas Schlechtes ist, hat dies, so glaube ich, den Auftakt zum Fall Pater Rifans und der ganzen Diözese gebildet. War es der schlichte Kontakt zu diesen von Modernismus und Liberalismus durchdrungenen Männern, der den Fall auslöste? Diese Frage verdient es, gestellt zu werden.

Zur großen Enttäuschung der traditionellen Katholiken der ganzen Welt unterzeichnete Mgr Rangel am 18. Januar 2002 in der Kathedrale von Campos ein Abkommen mit Rom, im Beisein von Kardinal Castrillon Hoyos, Mgr Roberto Guimarães, Titularbischof der Diözese, und anderen Persönlichkeiten der Kirche. Das war das Todesurteil für die Tradition in Campos. Die Gläubigen, getäuscht von ihren Priestern, die sich selbst getäuscht hatten, schlossen sich alle an. Genauer gesagt nicht alle, aber die, die Widerstand leisteten, waren wirklich der „pusillus grex“[2]. Pater Rifan sagte damals: „Das ist kein Abkommen, das ist eine Anerkennung.“ Damit wollte er zu verstehen geben, daß Rom die Rechtmäßigkeit der Tradition anerkannte. Die verunsicherten Gläubigen glaubten Pater Rifan. Man feierte den Sieg.

Der an Krebs erkrankte Mgr Rangel starb wenig später und Pater Rifan wurde sein Nachfolger an der Spitze der Apostolischen Administration, die aus dem Abkommen mit Rom hervorgegangen war. Der von Kardinal Hoyos geweihte Mgr Rifan sollte sich schnell als ganz besonderer  Anschlußpartner erweisen. Zum Freund unserer Feinde geworden, unternahm er eine Rundreise durch alle möglichen Bistümer und umarmte diejenigen, die er früher mit ungewöhnlicher Heftigkeit angegriffen hatte. Nachdem er die Seiten gewechselt hatte, erbrachte er Beweis auf Beweis für die Ernsthaftigkeit seines Anschlusses. Wie Abel Bonnard sagte: „Ein Angeschlossener ist nie angeschlossen genug.“ Die Autorität des II. Vatikanums, die Legitimität der neuen Messe, die Unterordnung unter das „lebendige Lehramt“ der liberalen Päpste, die Verurteilung Mgr Lefebvres: das alles mußte Mgr Rifan anerkennen und verkünden. Er tat es mit beispielloser und wachsender Sicherheit, und es hatte den Anschein, daß er dabei mehr Eifer an den Tag legte als die meisten Progressisten. Das war jedoch weder das, was die Priester von Campos gewollt, noch was sie den Gläubigen gesagt hatten, und es war auch nicht das, was sie Kardinal Hoyos mehr oder weniger zu verstehen gegeben hatten. Als Beweis dient die von ihnen abgefaßte Erklärung, in der sie ihre Entschlossenheit bekräftigten, den Kampf gegen Liberalismus, Modernismus und  Progressismus weiterzuführen, von das II. Vatikanum beeinflußt worden war. Nachdem er die Erklärung gelesen hatte, machte Kardinal Hoyos folgende Bemerkung, die mir gegenüber ein Priester von Campos zitierte: „Ja, das haben wir vereinbart. Aber es ist nicht nötig, das alles aufzuzählen. Es genügt, wenn Sie erklären, daß Sie konstruktive Kritik üben im Rahmen dessen, was das Kirchenrecht erlaubt.“ „An diesem Tag“, so sagte mir der gleiche Priester, „war der Kampf beendet, noch ehe er begonnen hatte.“ 

Sei es aus Angst, den Papst oder Kardinal Hoyos zu betrüben, sei es aus Mangel an Überzeugung, sei es, weil ihr Glaube ins Wanken geraten war, sei es aus Angst vor Mgr Rifan oder aus irgendeinem anderen Grund: Tatsache ist, daß Campos verstummte wie ein Fisch. Rom, das genau wußte, wie die Sache ausgehen würde, hatte von nun an von diesen Priestern nichts mehr zu befürchten, obwohl sie doch durch die Schule eines der größten Bischöfe des 20. Jahrhunderts gegangen waren. Wie kann man sich das erklären? Ohne in die Herzen sehen zu können und ohne über das hinauszugehen, was uns die Fakten darlegen, bin ich mir sicher, daß der Kontakt zur Obrigkeit, die nicht den unverfälschten katholischen Glauben lehrt, dazu führt, daß diejenigen, die sich dieser Obrigkeit unterwerfen, nach und nach deren Meinung und deren Verhalten übernehmen. Mgr Lefebvre hatte Dom Gérard diesbezüglich hinreichend gewarnt. In Rom tut man nicht das, was man selbst will, sondern das, was Rom will. Dom Gérard hat diese Warnung außer Betracht gelassen und Mgr Rifan erst recht.

Aus der Diözese selbst sollte jedoch eine Reaktion kommen. Die Gläubigen merkten mit der Zeit, daß sich etwas änderte. Sie wandten sich an uns und Pater Antônio-Maria OSB las ihnen eine Messe in einem Bauernhof, der den schönen Namen Santa Fé (Heiliger Glaube) trägt. Mgr Rifan war wütend. Er versammelte die „Schuldigen“ und las ihnen die Leviten. 

-        „Daß Sie mir ja nicht noch einmal einen Priester des Klosters oder der Bruderschaft kommenlassen!“

      -   „Exzellenz“, antwortete ihm ein Bauer, der Mgr de Castro Mayer noch gekannt hatte, „das
     hängt ganz von Ihnen ab. Wenn Sie die Richtung weiterverfolgen, die Sie eingeschlagen
     haben, werde ich mich jedes Jahr an einen Priester der Bruderschaft wenden, um mit meiner
     Familie Ostern halten zu können.“

Für diese guten Bauern sind die Bruderschaft und unser Kloster ein- und dasselbe: die Tradition. Aber sie sehen, daß seit einiger Zeit ein neues Drama am Horizont auftaucht und sie sind nicht bereit, noch einmal ähnliche Vereinbarungen zu treffen wie die, unter denen sie schon so sehr gelitten haben. Nur Gott allein weiß, was passieren würde, wenn Mgr Fellay eine kanonische Regelung unterschriebe.

Mgr Rifan hat bei diesen tapferen Bauern nichts erreichen können. Zu den großen Festen kommen mehr als 250 von ihnen in der kleinen Kirche zusammen, die sie selbst erbaut haben und in der nur die Priester der Tradition zugelassen werden.

Damit dieser Artikel nicht zu lang wird, möchte ich nur noch darauf hinweisen, daß Mgr Rifan heute mit den progressistischen Bischöfen konzelebriert und behauptet, daß diejenigen, die es systematisch ablehnen, die neue Messe zu lesen, eine schismatische Haltung einnähmen. Wir nennen es Verrat, wenn man aufhört, einer Sache oder einer Person, in diesem Fall unserem Herrn Jesus Christus, treu zu sein. Wir stellen das fest. Einige leugnen es zwar, aber heißt es nicht, den Christkönig zu verraten, wenn man das II. Vatikanum anerkennt? Man kann den Verrat auch anders definieren: das Verbrechen einer Person, die zum Feind überwechselt. Auch das ist eine Tatsache, wie jedermann feststellen kann. Gott möge uns davor bewahren, ein Gleiches zu tun, wir, die wir aufgrund unserer Schwachheit noch tiefer fallen können. Mgr Rifan ist heute der Freund derer, die Mgr Lefebvre und Mgr de Castro Mayer verurteilt haben. Er redet heute vom seligen Johannes XXIII. und vom seligen Johannes Paul II.

Mögen uns in diesen schwierigen Zeiten, die die Tradition durchmacht, diese Beispiele helfen, nicht die gleichen Fehler zu begehen. Der Feind ist listig; er weiß, wo und wie er zuschlagen muß. Hören wir auf die Warnungen unserer Vorgänger. Hören wir auf die Stimme unserer großen Vorbilder, angefangen mit Mgr Lefebvre. Aber hören wir nicht auf diejenigen, die uns dahin führen, von wo uns eine spätere Rückkehr nur schwer möglich ist.

Jean Madiran hat einst ein Buch geschrieben, dessen Titel (Sie wissen nicht, was sie sagen) sich  auf  die Aktualität des bekannten Wortes unseres Herrn am Kreuz bezieht: „Vater, verzeih ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“. Corção, dem diese treffende Formulierung gefiel, fügte hinzu: „Sie wissen nicht, was sie verlieren!“ Das soll man nicht von uns sagen können. Mögen wir durch die Fürsprache Unserer Lieben Frau nicht das verlieren, was wir empfangen haben, das, was Mgr Lefebvre, um nicht zu sagen, Unseren Herrn und Seine heilige Mutter, und alle heiligen Bischöfe, die den Liberalismus und den Modernismus verurteilt und bekämpft haben, soviel gekostet hat.
              



[1]    Campos hatte immer Schwierigkeiten, sich von einem gewissen Legalismus freizumachen und das sollte es schließlich teuer zu stehen kommen. Vielleicht ist dies einer der Gründe für das anfängliche Zögern Pater Rifans, der Bitte der Gläubigen von Rio stattzugeben.
[2]    winzige Herde (Anm. d. Übers.)

29/12/2012

Ist dies Operation Selbstmord ?



Ist dies Operation Selbstmord?

Übersetzungsentwurf aus dem Englischen1 von
Paul O. Schenker



Eine Analyse der Begründung/Rechtfertigung einer Vereinbarung zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X. und der Konzilskirche in Rom

Mit Material zusammengestellt von Stephen J. Fox

In diesem Buch versuche ich, die Grundlagen (Begründungen) einer möglichen Einigung zwischen der Priesterbruderschaft St. Pius X und der konziliaren Kirche zu analysieren. Ich schließe daraus, dass viele der Oberen der Bruderschaft bereit sind, in eine Vereinbarung mit der konziliaren Kirche zu treten, wobei diese Vereinbarung (nur) eine praktische Vereinbarung ohne doktrinäre Lösung wäre und deren Bedingungen bedeuten würden, dass die Bruderschaft der Konziliaren Kirche unterstellt (unterworfen) wäre.

Ich erkenne, dass das Verhalten von vielen der Oberen der Bruderschaft in Bezug auf eine mögliche Einigung mit der konziliaren Kirche einen erstaunlichen Wandel weg von den Prinzipien der Bruderschaft und ihrer (bisherigen) Ausrichtung ist. Ich erkenne, dass die von vielen der Oberen der Gesellschaft eingenommene Position in Bezug auf eine solche Vereinbarung im Widerspruch steht zur Position des Gründers der Bruderschaft, Erzbischof Lefebvre.

Erzbischof Lefebvre sagte folgende Worte am 6. September 1990 : 2


"Einige Leute werden stets das Gras in des Nachbars Wiese bewundern ... sie schauen auf unsere Gegner auf der anderen Seite."Schließlich müssen wir lieb sein, müssen wir freundlich sein, dürfen wir nicht trennend sein, schließlich feiern sie die tridentinischen Messe, sie sind nicht so schlecht, wie alle sagen"- aber SIE VERRATEN UNS - verraten uns! Sie schütteln die Hände mit den Zerstörern der Kirche. Sie schütteln die Hände mit den Leuten, die modernistische und liberale Ideen  vertreten, die von der Kirche verurteilt sind. Und so tun sie des Teufels Arbeit. Sie werden jetzt sagen: "So lange sie uns die alte Messe gewähren , können wir mit Rom Hände schütteln, kein Problem." Aber wir werden sehen, wie es funktioniert. Sie sind in einer unmögliche Situation. Unmöglich. Man kann nicht beides: Hände schütteln mit
Modernisten und weiter die Tradition halten. Unmöglich. Unmöglich.”


Erzbischof Lefebvre sagte folgende Worte im Juli oder August 1989: 3

Frage : Manche Leute sagen: "Ja, aber Erzbischof Lefebvre hätte eine Vereinbarung mit Rom akzeptieren sollen, weil wenn die  Priesterbruderschaft St. Pius X einmal anerkannt worden und die Suspensionen angehoben wäre, er in einer Lage wäre, in wirkungsvollerer Weise zu handeln innerhalb der Kirche, während er sich jetzt sich außerhalb ihrer befindet. "

Erzbischof Lefebvre : Solche Dinge sind leicht zu sagen. In der Kirche zu bleiben, oder sich(wieder) in die Kirche zu versetzen - was bedeutet das? Erstens, von welcher Kirche redden wir? Wenn Sie die konziliare Kirche meinen, dann würden wir, die wir während 20 Jahren gegen das Konzil gekämpft haben, weil wir die katholische Kirche wollen, in diese konziliare Kirche (wieder) eintreten müssen, um sie angeblich katholisch zu machen. Das ist eine völlige Illusion. Es sind nicht die Untergebenen, die die Vorgesetzten machen, sondern die Vorgesetzten, die die Untergebenen machen.

Erzbischof Lefebvre sagte folgende Worte am 30. Juni 1988 : 4


Es steht nicht mir zu, zu wissen wann die Tradition ihre Rechte in Rom wieder zurückbekommen wird, aber ich denke, es ist meine Pflicht, für die Mittel zu sorgen, das zu tun, was ich die ,,Operation Überleben" nennen werde, ein Vorgehen zur Sicherung des Überlebens der  Tradition. Heute, an diesem Tag, geschieht die Operation Überleben. Wenn ich diesen Deal mit Rom gemacht hätte, indem wir weitergemacht hätten mit dem Abkommen, das wir unterschrieben hatten und indem wir es in die Tat umgesetzt hätten, hätte ich eine ,,Operation Selbstmord" begangen. Es blieb keine Wahl, wir müssen leben! Darum bin ich heute, indem ich diese Bischöfe weihe, überzeugt, dass ich fortfahre, die Tradition am Leben zu erhalten, was soviel heisst wie : die Katholische Kirche.

Inhalt
Einführung


Erzbischof Lefebvre und die Bruderschaft

1. Jemand der das Buch liest ,,Die Biographie Marcel Lefebvres" geschrieben von Bischof Tissier de Mallerais, entdeckt beglückt, wie wahr der Erzbischof sprach, als er sagte, dass er uns nur das weitergegeben habe, was er selber gelehrt bekommen und empfangen habe, ,,Tradidi quod et accepi ­ Ich habe euch weitergegeben, was ich empfangen habe" - 1 Kor. 15, 3)

2. Ich bin Erzbischof Lefebvre und der Bruderschaft dankbar. Während vieler Jahre war die Bruderschaft die geistliche und sittliche (Beg-) Leitung für das Leben meiner Familie.


Eine Zusammenstellung

3. Ich bitte Sie, das Material und meine Folgerungen in einem Geiste der Nächstenliebe zu beachten. Ich habe das Material aufbereitet als ein Zusammensteller ­ nicht als ein Autor. Meine Worte sind nachrangig und von geringer Bedeutung. Was wichtig ist, ist die Offensichtlichkeit, und ich bitte Sie, diese Evidenz objektiv zu betrachten. Ich habe nicht versucht, die geschriebenen oder gesprochenen Worte in Bezug auf die innere oder subjective Disposition des entsprechenden Autors zu interpretieren ­ sondern vielmehr mit Bezug auf die Bedeutung der Worte, die der Autor geäußert (oder geschrieben) hat.

4. Es gibt welche, die sagen würden, dass ich nicht qualifiziert sei, eine Meinung zu haben. Ich kann nur sagen, dass ich genügend qualifiziert bin, zu sehen, zu lesen und, dank der Gnade Gottes, zu denken.

5. Ich verfasste dieses Dokument in der Art einer Zusammenstellung dessen, was ich glaube, dass es relevant ist. Ich meine, dass der Beweis so klar ist, dass er für sich selber spricht und die Schlussfolgerungen unausweichlich macht.

6. Ich habe versucht, Einzelheiten der Quellen des sachdienlichen Materials, auf das ich mich beziehe, zu liefern, aber ich entschuldige mich für irgendwelche Fehler, und ich versichere meine Leser, dass solche Fehler unbeabsichtigt sind und nur den Zwängen der Zeit und des
Könnens zuzuschreiben sind.

7. Ich beabsichtige nicht, irgendeiner Person Respektlosigkeit oder Beleidigung zuzufügen, und falls jemand sich betroffen fühlt, so bitte ich, dass die betreffende Person mir vergebe und meine aufrichtige Absicht in dieser Hinsicht annehme.

Etwas geht schief

8. Ich setzte anfänglich die Schreibfeder aufs Papier, weil es überreichlich klar wurde, dass etwas schief lief, schief im dem Sinne, dass die Bruderschaft ihre Einheit verloren hat 5, schlecht im Sinne, dass die Oberen der Bruderschaft der Ansicht sind, dass die  Konzilskirche ,,sich verändere" zugunsten der Tradition, während sie bei ihrem eigenen Eingeständnis und ich gemäß meinen eigenen Augen weiß, dass sie sich nicht ändert, schlecht in dem Sinne, als die Oberen der Bruderschaft bereit sind, die Bruderschaft diesem Konziliaren Rom zu unterstellen, schlecht in dem Sinne, dass die Priester der Bruderschaft unfähig oder unwillens sind, eine mögliche Vereinbarung mit Rom zu diskutieren oder zu kritisieren ­ nicht weil sie die involvierten Fragen nicht verstehen würden, sondern weil ihnen ,,befohlen" wurde, still zu sein, und schlecht in dem Sinne, dass die Oberen der Bruderschaft sich selber und Erzbischof Lefebvre widersprechen.

9. Die Behauptung, dass ,,es nichts Besorgniserregendes gebe" oder ,,dass sich nichts geändert habe" oder ,,dass die Bruderschaft ihren Prinzipien von Erzbischof Lefebvre treu bleibe" oder dass ,,die Bruderschaft weder in ein Abkommen mit Rom eingewilligt habe noch es tun werde" ist insgesamt gegen die wirkliche Offensichtlichkeit. Die Bruderschaft hat ein Dokument datiert vom 14. Juli 2012 (nach dem kürzlichen Generalkapitel) herausgegeben, in welchem die Bruderschaft die ,,Bedingungen" für eine ,,Normalisierung" für die Verbindungen zwischen der Bruderschaft des Heiligen Pius X und Rom aufführt. Diese Bedingungen ziehen in Erwägung, dass die Bruderschaft sich dem modernen, liberalen Rom unterwerfen wird ohne irgendeine lehrmäßige Lösung und ohne eine Rückkehr Roms zur Tradition.

10. Ich bin besorgt über die Tatsache, dass die Bruderschaft nicht fähig (oder willens) gewesen ist, eine vollständige und vernünftige Erklärung der Streitpunkte herauszugeben. Wo ist eine logische und vollständige Analyse der Streitpunkte bezüglich eines vorgeschlagenen Übereinkommens zwischen der Bruderschaft und der Konzils-Kirche im Jahre 2012? Wo ist die vollständige Erklärung der Widersprüche zwischen einerseits dem, was Erzbischof Lefebvre, Bischof Fellay und viele andere Autoren in der Vergangenheit gesagt haben und dem, was Bischof Fellay und Bruderschafts-Obere heute sagen?

Ist eine Änderung Treue gegenüber Erzbischof Lefebvre ?

11. Es scheint klar zu sein, dass einige Bischöfe, einige Priester und viele Gläubige keine Versöhnung mit Rom wünschen. Es scheint klar zu sein, auch mit Bezug auf die Belege, auf die ich mich in dieser Zusammenstellung bezogen habe, dass jene Bischöfe, Priester und Gläubigen gerechtfertigt werden können in ihrer Gegnerschaft gegenüber einer Übereinkunft.

12. Wenn es die Wahrheit (Wirklichkeit) ist, dass nur einige der Mitglieder der Bruderschaft es wünschen, sich mit Rom unter den Umständen zu versöhnen, während es Wahrheit (Wirklichkeit) ist, dass Rom sich nicht geändert hat (zugunsten der Tradition und des Katholizismus), dann müssen sich jene Mitglieder, die eine Versöhnung wünschen, geändert haben. Es scheint mir, dass die Frage, die einem jeden unserer Priester und Oberen in Liebe (zu ihrem und unserem Wohle) gestellt werden muss, diejenige ist, ob sie sich geändert haben
oder nicht.

13. In aller Liebe, wir müssen prüfen, ob diese Männer den Glauben verteidigen oder nicht. Wir müssen herausfinden, ob diese Männer Erzbischof Lefebvre gegenüber treu sind oder nicht. Wir müssen einen jeden dieser Männer fragen, ob sie fähig sind oder nicht, zu sagen ,,Ich habe das weitergegeben, was ich empfangen habe. Alles, was ich empfangen habe, habe ich weitergegeben" 6.

Aufgaben und Pflichten

14. Ich habe meine Befürchtungen im Voraus geäußert und ich weiß, dass (auch) Andere ähnliche Befürchtungen erhoben haben. Ich stelle fest, dass während es Ausnahmen gegeben hat, die allgemeine Antwort auf die Besorgnisse eine Verweigerung ist, die Streitfragen vernünftig zu
diskutieren aus einem oder mehreren folgender Gründe:

a. Die Sache betrifft die interne Administration der Bruderschaft und haben keinen Bezug auf Laien;

b. Die Sache wurde angemessen behandelt im Material, das über die offiziellen Kommunikations-Kanäle der Bruderschaft veröffentlicht wurde;

c. Die Bruderschaft hat noch ,,kein Abkommen mit Rom" abgeschlossen und deshalb ,,gibt es nichts, worüber man besorgt sein müsste";

d. Die Bruderschaft wird nicht ,,in ein Abkommen eintreten mit Rom";

e. Die Sache betrifft nur den Gehorsam;

f. Der Generalobere ist ein ,,guter Kerl" und ,,Sie sollten Vertrauen haben in ihn"; oder g. Schweigen.

15. Mit Respekt, ich meine, dass solche Antworten vom Klerus unaufrichtig sind und ein Versagen seitens jener sind, die verantwortlich sind für die Schafe. Mit Respekt, ich meine, dass solche Antworten von meinen Mit-Laien einfach nur Faulheit/Bequemlichkeit sind und ein Versagen ihrerseits, den Glauben zu verteidigen. Wie können wir beanspruchen, Katholiken und traditionelle Katholiken zu sein, wenn wir nicht wissen, was wir glauben und was die Konzilskirche lehrt, warum wir nicht in der gleichen Weise Gottesdient feiern wie die Konzilskirche, warum wir nicht um Führung von unserem lokalen Konzilsbischof bitten. Wie erkläre ich meinen Kindern die Tatsache (die Wahrheit!), dass sie der Novus Ordo Messe (oder dem Gottesdienst?) nicht beiwohnen dürfen oder sich einschreiben lassen dürfen für den ,,neuen Katechismus(unterricht)", wenn ich nicht erklären kann, warum die Bruderschaft in eine Vereinbarung mit Rom eingehen sollte oder nicht.

16. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass meine Mit-Laien eine Bereitschaft zeigen, die Streitfragen zu ,,vermeiden" mit der Begründung, dass ihr Lebensstatus es von ihnen nicht verlange, die Streitsache zu erwägen oder dass sie gehorsam seien den Oberen der Bruderschaft, oder auch ihren lokalen Priestern oder dass sie glauben, dass alles in Ordnung sei, solange sie weiterhin die Sakramente empfangen können. Ich fordere jene Personen auf zu erklären, wie ihr Lebensstatus von ihnen nicht verlangen könne, den Glauben gegen die Irrtümer des Modernismus und Liberalismus zu verteidigen, die nämlichen Irrtümer, die ,,die Konzilskirche" infizieren. Ich fordere jene Personen auf zu erklären, wie sie Rechenschaft ablegen werden, wenn sie verantwortlich gemacht werden für die Tatsache, dass sie teilgenommen haben werden (auch durch Schweigen) an der Zerstörung der Bruderschaft, die traditionelle katholische Priester ausbildet und allgemein der Anker ist für den traditionellen Katholizismus in der Welt. Ich fordere jene Personen auf, loyal zu sein gegenüber ihren Vorfahren und gegenüber Erzbischof Lefebvre. Ich fordere diese Personen auf, nur einmal zu denken!

17. Ich zitiere die Worte des Dr. White in seinem Buch ,,Der Schlund des Löwen" 7:
... Die Gläubigen, selbst jene, die eine Ahnung hatten, dass etwas falsch sein könnte, vertrauten auf ihre Bischöfe und ihre Priester und  akzeptierten jede neue Schändung mit einem beipflichtenden  Kopfnicken. Das war Faulheit im tiefsten Sinne, geistige Faulheit, eine
Weigerung, das zu wissen, was notwendig ist für unser Heil und eine Weigerung, für unser eigenes geistiges Wohl zu handeln. Die Gläubigen gaben stillschweigend ihr Einverständnis zur Zerstörung ihrer Kirche; es war leichter als zu denken, zu argumentieren, zu handeln. Sie taten einfach, was man von ihnen verlangte...

18. Ich zitiere Seine Exzellenz Bischof De Castro Mayer 8:

Es ist schmerzlich, Zeuge zu sein der bedauernswerten Blindheit so vieler Mitbrüder im Episkopat und im Priesterstand, die die gegenwärtige Krise nicht sehen oder nicht sehen wollen, noch die Notwendigkeit, dem herrschenden Modernismus zu widerstehen, um treu zu sein der Sendung, die uns von Gott anvertraut wurde. Ich möchte hier meine aufrichtige und tiefe Zustimmung bezeugen zur Position Seiner Exzellenz Erzbischof Lefebvre, die diktiert ist von seiner Treue zur Kirche aller Jahrhunderte. Wir beide, wir haben an der gleichen Quelle getrunken, welches jene ist, der Heiligen Katholischen Apostolischen und Römischen Kirche.

19. In seinem Buch ,,Die Biographie Marcel Lefebvres" bezieht sich der Autor, Bischof Tissier de Mallerais, auf Seite 316 und 317, auf folgende Worte Seiner Exzellenz Erzbischof Lefebvre:
... Was mich überrascht, dass von all jenen, die mit mir waren im Seminar und die auch Bischöfe wurden, viele alles annahmen: Bischof Ancel, Erzbischof Garrone, Bischof Lebrun, Bischof Michon, und weiß ich wer alles sonst noch... sie waren alle sehr eifrig, einige von ihnen mehr als ich, beim Gedanken an die Teilnahme an den Schlachten des Papstes im Kampf für die Kirche. Sie hatten brillante Vorlesungen gegeben am Seminar, die legendary geblieben waren. Jedoch als sie als Bischöfe in Frankreich ernannt waren, wurden sie umgepolt. Sie hatten sich total verkauft an den Liberalismus und an die liberalen Thesen. Es ist sehr bedauerlich. Es ist etwas vom Traurigsten in meinem Leben.


Gehorsam


20. Es gibt einige, die auf meine Bedenken antworten, indem sie meinen, dass ,,die Streitfrage eine solche des Gehorsams" sei, und wenn sie gedrängt werden zu erklären, antworten sie, indem sie sagen, dass sie ,,gehorsam" und ,,loyal" bleiben wollen gegenüber dem Generaloberen der Bruderschaft, und sie können sogar so weit gehen, dass sie jene Bischöfe oder Priester der Bruderschaft ermahnen, welche es gewagt haben zu fragen, ob die Bruderschaft in eine Vereinbarung mit Rom eintreten solle oder nicht.

21. Ich finde die ,,Gehorsams-Entschuldigung" besonders interessant, weil die gleichen Leute, die bereit sind, gegenüber der Konzilskirche ,,ungehorsam" zu sein, bereit sind, gehorsam zu sein jenen gegenüber, die vorhaben, sie derselben Konzilskirche zu unterstellen und sie zu einem Teil von ihr zu machen!

22. Ich mache mir Sorgen darüber, dass der Bezug zum Gehorsam bloß eine Entschuldigung ist, um es zu vermeiden, das wirkliche Problem anzugehen. Wie seltsam! Wie inkonsequent! Wie unvernünftig! Ein traditioneller Katholik ,,folgt" angeblich der Bruderschaft, weil sich diese Person die Meinung gebildet hat, dass die Konzilskirche im Irrtum war und dass sie, um ihren Glauben zu bewahren, der Bruderschaft ,,folgen" sollte. Jedoch die gleiche Person ist nun bereit zu erwägen, ob die Oberen der Bruderschaft je etwas tun könnten oder nicht, was ihren Glauben gefährden würde.

23. Ich bitte meine Leser, sie mögen erkennen, dass diese Schlacht nicht irgendein Persönlichkeits-Wettstreit oder ein politisches Spiel ist. Wir als Katholiken versagen, wenn wir ,die Person stützen` anstatt die Wahrheit. Ich bitte meine Leser, darüber nachzudenken, was nach Vatikan II geschah und wie viele Seelen verloren gingen weil Leute mehr interessiert waren an Leuten als an der Wahrheit. Einige praktische Punkte und gesunder Menschenverstand

24. Wenn es in der Tat der richtige Weg wäre für die Bruderschaft, den Weg zu einem Abkommen mit Rom weiterzugehen, dann müsste dieser Weg gewiss ,,klar richtig" sein ­ statt dass der Weg Gegenstand solchen Zweifels, solcher Meinungsverschiedenheit und Uneinigkeit wäre.

25. Wenn der vorgeschlagene Weg (d.h. eine Vereinbarung mit Rom) direkt verschieden ist vom Weg, den die Bruderschaft während den vergangenen 40 Jahren gegangen ist (und er ist verschieden), dann müssten die Argumente für ein solches Abkommen klar sein. Wenn dies der Fall wäre, würde ich von den Oberen, den Priestern (auf jeder Stufe) und von den Bruderschafts-Pfarreiangehören erwarten, dass sie die Gründe kennen und fähig wären, das vorgeschlagene Abkommen zu unterstützen. Meine Erfahrung (jedoch) ist, dass die Gründe für eine Unterstützung eines Abkommens so seicht sind wie ,,der Papst wünscht dies" oder ,,wir müssen doch einmal zu einem Einverständnis kommen" oder ,,sonst werden wir sedisvakantistisch"... Noch schlimmer, die Reaktion von manchen Leuten ist die, dass sie ,,nicht(s) wissen" oder dass sie ,,dem Generaloberen gehorsam sein müssen".

26. Wir sollten in Betracht ziehen, welches die Strategie des Teufels im Jahre 2012 sein könnte. Es scheint mir, dass die Mächte der Finsternis versuchen könnten, Unverständnis und Uneinigkeit zu verursachen und Irrtum in die Bruderschaft zu tragen oder die Bruderschaft in Irrtum zu führen. Es scheint mir, dass wir, wenn wir zugeben, dass die Konzilskirche modern und liberal und irrtumsinfiziert ist, eingestehen müssten, dass die Absichten des Feindes gefördert würden, wenn die Bruderschaft zu einem Teil der Konzilskirche gemacht werden kann.

27. Die Idee, dass die Konzilskirche oder Rom die Bruderschaft würde aufnehmen wollen oder können ,,so wie wir sind", ist ein Traum oder ein Märchen (ein tragisches Märchen). Wenn Rom sich nicht zur Tradition bekehrt, dann setzt Rom seine liberale modernistische Religion fort und ist ein traditioneller Katholizismus inakzeptabel für dieses Rom. Ich stelle fest, dass die Möglichkeit, dass ein traditioneller Katholik Rom kritisieren darf nicht heißt, dass für Rom ein traditioneller Katholizismus akzeptabel ist. Es meint nur, dass Kritik akzeptabel ist für Rom, angesichts der Tatsache, dass (auch) Martin Luther oder andere Religionen oder gar der Atheismus für Rom ,,akzeptabel" sind.9

28. Im Buch ,,Erzbischof Lefebvre und der Vatikan" fügt Pater Laisney folgenden Kommentar der Erklärung des Erzbischofs von 1974 (siehe Seite 11) hinzu : ... Wenn der Papst zum Geiste des heiligen Paulus zurückkehrt, wird es kein ,,Protokoll" (mehr) brauchen, noch die Aufhebung irgendeiner Strafe. Er wird einsehen, dass alles dies nur eine Verfolgung war durch Verehrer des ,,Menschen, der sich zu Gott macht" gegen die Verehrer des ,,Gottes, der Sich zum Menschen macht."...

29. Es gibt keinen Zweifel zwischen Rom und der Bruderschaft ­ die Bruderschaft weiß, was Rom glaubt (oder nicht glaubt). Die Bruderschaft weiß, dass Papst Benedikt vorher Kardinal Ratzinger war und dass er als Kardinal und als Papst ein Modernist und ein Liberalist ist. Rom weiß, wozu sich die Bruderschaft bekennt ­ zum traditionellen Katholischen Glauben. Es gibt keine Fragen zwischen den beiden Seiten. Wir kennen sie und sie kennen uns. Wenn Rom sich ändern wollte, könnte es dies jetzt tun. Doch weigert es sich, sich zu ändern. Roms Sendung und Zweck ist, die Bruderschaft zum Liberalismus Roms zu führen. Dies war die Schlussfolgerung des Präsidenten der Kommission der Bruderschaft für die theologischen Gespräche mit Rom, Bischof Alfonso de Galarreta 10 : Es ist wesentlich für die gegenwärtige Auseinandersetzung, die unmissverständliche Schlussfolgerung vor Augen zu halten, die wir gerade bei dieser Gelegenheit gemacht haben : sie sind nicht bereit, das II. Vatikanische Konzil aufzugeben, noch dessen liberalen Lehren, und ihre Absicht, ihr offensichtlicher Wunsch ist es, uns dahin zu bringen. Allerhöchstens würde Rom eine Ausgleichung (mehr Ausgewogenheit) und einen verbesserten Text (Formulierung) akzeptieren, ebenfalls als Teil der ,,Hermeneutik der Erneuerung in der Kontinuität". Und dann können wir diskutieren und sind wir sehr nützlich... um die Revitalisierung der Reform mit Kontinuität zu unterstützen. 11

30. Als Beispiel erinnere ich daran, dass ich und meine Frau vor einigen Jahren vor das Dilemma gestellt waren, wie wir unsere hochschulreifen Kinder erziehen sollten. Für eine Grundlage sind wir dafür dankbar, dass wir Zugang haben zu einer bruderschaftseigenen Grundschule, jedoch als unser ältestes Kind 13 Jahre alt war, mussten wir entscheiden, ob wir es (a) daheim oder (b) in einer staatlichen Schule oder (c) in einer weltlichen Privatschule oder (d) in einer ,,katholischen" Privatschule weitererziehen (lassen) sollten. Ich konsultierte zuerst fünf Priester der Bruderschaft in Bezug auf die Frage und erhielt als Antwort eine Menge von Meinungen. Die allgemeine Ansicht (von allen Priestern, die ich konsultierte) war die, dass ich meinen Sohn nicht in eine ,,katholische Schule" schicken solle, weil er, falls ich dies täte, seinen Glauben verlieren würde. Der Grund war der, dass die ,,katholische Schule" einiges Wahres mit Irrtum vermischen würde und dass er seinen Glauben in Umständen verlieren würde, bei welchen er dem modernen System unter dem Namen ,,Katholizismus" unterzogen würde. Der Ratschlag führte dazu, dass wenn wir ihn in eine Hochschule schicken würden, wir ihn in eine Schule senden sollten, die unreligiös oder klar nicht-katholisch ist.

31. Mein gesunder Menschenverstand sagt mir, dass die gleiche Denkweise angewendet warden müsste für die Frage, ob die Bruderschaft sich mit der Konzilskirche vermischen sollte, wenn (doch) die Konzilskirche im Sumpf des Modernismus und Liberalismus steckt. Wie kann die Bruderschaft (durch ihre Priester) einerseits mir die Weisung geben, meine Kinder von konzilskirchlichen Schulen fernzuhalten und andererseits vorhaben, sich selbst (und meine Familie) in die Konzilskirche zu versetzen.


Terminologie

32. Zur Erklärung, wenn ich mich auf die ,,Konzilskirche" oder auf ,,Rom" beziehe, so meine ich ,,das Rom der neo-modernistischen und neo-protestantischen Tendenzen, die klar offensichtlich waren beim Zweiten Vatikanischen Konzil und, nach dem Konzil, in all den Reformen, die von ihm ausgingen" als Gegensatz zum ,,Katholischen Rom, der Hüterin des Katholischen Glaubens und der Traditionen, die notwendig sind zur Erhaltung dieses Glaubens, zum Ewigen Rom, der Meisterin der Weisheit und Wahrheit" 12 Ebenso wenn ich mich auf die Konzilskirche oder Rom beziehe, dann meine ich generell jene Männer, welche diese Konzilskirche repräsentieren oder die erfüllt sind von den Irrtümern dieser Konzilskirche. In diesem Punkt der Terminologie glaube ich kann sich der Leser auf die Antwort Seiner Exzellenz Erzbischof Lefebvre von 1989 13 beziehen, wie folgt, in der Seine Exzellenz seine Stellung betreffend die Kirche erklärt, und die ich übernehme :


3 : ,,Lefebvre hätte in der Kirche bleiben sollen.

Frage : Einige Leute sagen: ,,Ja, aber Erzbischof Lefebvre hätte ein Abkommen mit Rom annehmen sollen, denn wenn die Bruderschaft St. Pius X. anerkannt worden und die Suspension aufgehoben worden wäre, wäre er imstande gewesen, in einer wirkungsvolleren Weise innerhalb der Kirche zu wirken, während er sich jetzt außerhalb ihrer gebracht hat."

Erzbischof Lefebvre : ,,Solche Dinge sind leicht zu sagen. Innerhalb der Kirche bleiben, oder sich innerhalb der Kirche zu bringen ­ was soll das heißen? Erstens, von welcher Kirche sprechen wir? Wenn Sie die Konzilskirche meinen, dann würden wir, die wir während zwanzig Jahren gegen das Konzil gekämpft haben, weil wir die Katholische Kirche wollen, in diese Kirche eintreten müssen, um sie angeblich katholisch zu machen. Das ist eine völlige Illusion. Es sind nicht die Untergebenen, welche die Oberen machen, sondern die Oberen, die die Untergebenen machen.”
...

4. Gefahr eines Schismas ?

Frage : Befürchten Sie nicht, dass am Ende, wenn der liebe Gott Sie zu Sich gerufen haben wird, nach und nach der Graben weiter werden wird und wir uns mit einer Parallel-Kirche konfrontiert sehen werden neben dem, was einige die ,,sichtbare Kirche" nennen?

Erzbischof Lefebvre : Diese Rede von der ,,sichtbaren Kirche" seitens Dom Gerards und des Herrn Madiran ist kindisch. Es ist unglaublich, dass jemand von der ,,sichtbaren Kirche" reden kann, wenn er die Konzilskirche meint als Gegensatz zur Katholischen Kirche, welche wir zu vertreten und fortzusetzen suchen. Ich sage nicht, dass wir die Katholische Kirche sind. Ich habe dies nie gesagt. Niemand kann mir vorwerfen, je gewünscht zu haben, mich als Papst zu benehmen. Aber wir stellen wirklich die Katholische Kirche dar wie sie vorher war, weil wir weiter das tun, was sie immer tat. Wir sind es, die die Merkmale der sichtbaren Kirche haben: der Einen, Heiligen, Katholischen und Apostolischen. Das ist es, was die sichtbare Kirche ausmacht.


Meine Schlussfolgerungen

33. Ich verstehe, dass meine Schlussfolgerungen sehr ernst sind ­ und deshalb glaube ich nicht, dass ich still bleiben kann. Zusammengefasst sind einige relevante Punkte meiner Analyse und der Schlussfolgerungen meiner Analyse des Materials wie folgt :

a. [33.1] Ich bin verpflichtet, nach der Wahrheit zu suchen und mich, meine Familie und meine Nächsten gegen Irrtum zu verteidigen. Dementsprechend muss ich genug wissen, um den Irrtum zu erkennen, wenn ich ihn sehe. Ich kann nicht die Unwissenheit wählen, und ich kann Oberen der Kirche (oder der Bruderschaft) nicht blindlings folgen unter Umständen, in welchen mich mein Verstand informiert, dass ihr Weg nicht der Weg der Wahrheit und des Heiles ist. Ich muss danach trachten, den folgenden Worten treu zu sein :

Ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe meinen Lauf vollendet, Ich habe den Glauben bewahrt. Schon jetzt liegt für mich der Kranz der
Gerechtigkeit bereit, den mir der Herr, der gerechte Richter, an jenem Tag geben wird, aber nicht nur mir, sondern allen, die sehnsüchtig auf sein Erscheinen warten. (2. Tim. 4:7-8).

b. [33.2] Ich muss das vorliegende Material objektiv in Betracht ziehen. Ich muss bereit sein anzuerkennen, dass es möglich ist, dass der Generalobere oder andere Obere innerhalb der Bruderschaft einen Fehler machen könnten. Ich muss bereit sein zuzugeben, dass die Menschen schwach sein können, dass der Liberalismus existiert im Jahr 2012 und dass die Bruderschaft nicht ausgenommen ist vom Angriff durch genau die Fehler, die die Ursache waren, dass die Bruderschaft gegründet wurde. Ich muss bereit sein zuzugeben, dass die Oberen der Bruderschaft nicht unfehlbar sind und dass sie versuchen könnten, in ein Abkommen mit Rom zu treten in Umständen, in welchen die Bruderschaft dies nicht tun sollte. Ich kann nicht wählen, die Wahrheit zu ignorieren, weil die Wahrheit schwierig oder schmerzhaft sein kann. Ich kann nicht wählen, die Wahrheit zu ignorieren auf der Basis, dass ich nicht verstehen kann, warum jemand etwas tut. Ich brauche die innere Disposition einer Person nicht zu wissen oder zu verstehen und ich suche nicht zu wissen oder zu verstehen, warum eine Person etwas tut oder nicht tut ­ ich weiß nur, was die Person tut oder nicht tut. Das ist, die Realität der Wahrheit !

c. [33.3] Die Bruderschaft kann Rom nicht trauen.

d. [33.4] Es gibt Meinungen, dass ,,es Verhaltensänderungen gibt in der Kirche..", dass Rom sich ,,geändert" habe oder daran ist, sich zu ändern, dass ,,Rom heute nicht das Rom von 1988" sei, dass ,,interessante Dinge" geschehen in Rom. Ich schließe, dass Rom nicht ,,anders geworden" ist in irgendeiner materiellen Weise und immer noch treu ist den konziliaren Lehren statt der Tradition.

e. [33.5] Ich schließe, dass der erste Grund (auf der natürlichen Ebene), dass kein ,,Abkommen" bereit liegt zwischen der Bruderschaft und Rom heute, der ist, dass Rom (das modernistische, liberale Rom) loyal ist gegenüber seinen modernistischen, liberalen Prinzipien ­ so sehr dass es (Rom) nicht in ein Abkommen mit der Bruderschaft einwilligen wird, es sei denn dass die Bruderschaft bereit wäre, die Prinzipien Roms zu akzeptieren.

f. [33.6] Es gibt begründeterweise keinen Vorteil eines Abkommens zwischen der Bruderschaft und Rom, und überdies, der mögliche Vorteil irgendeines solchen Abkommens kann das (negative) Risiko eines Abkommens nicht wettmachen.

g. [33.7] Der Einwand, dass ,,es nichts gebe, worüber man besorgt sein müsste" oder ,,dass sich nichts geändert habe" oder ,,dass die Bruderschaft den Prinzipien des Erzbischofs Lefebvre treu bleibe", ist in allen Fällen gegen die reale Evidenz.

h. [33.8] Viele der Oberen der Bruderschaft (und viele andere Priester der Bruderschaft) scheinen bereit zu sein, in ein praktisches Abkommen einzuwilligen statt eines solchen gründend auf dem Glauben oder der Lehre der Kirche. Dies stellt eine Änderung dar in ihrer Position. Die Position der Bruderschaft war die, dass die Bruderschaft Rom nur ,,beitreten" werde, wenn Rom traditionell werde ­ indes einige Mitglieder der Bruderschaft sind jetzt bereit, sich Rom einzugliedern ohne eine lehrmäßige Lösung und ohne dass Rom zur Tradition zurückkehrt. Diese Position, nämlich die Bereitschaft und der Wunsch, in ein praktisches Abkommen mit Rom einzutreten, ist in direkten Widerspruch zur vormals veröffentlichten Position der Bruderschaft und ihrer Oberen, einschließlich der veröffentlichten Positionen des Erzbischofs Lefebvre, Bischof Fellays, Pater Schmidbergers und vieler anderer Priester.

i. [33.9] Die Bereitschaft und der Wunsch seitens einiger Priester, in ein Abkommen mit Rom zu treten, hat bedeutet, dass jene Priester ihren vormals veröffentlichten Positionen widersprechen mussten (oder widersprechen werden müssen).

j. [33.10] Wenn eine zufriedenstellende Lösung der lehrmäßigen Diskussionen nicht mehr kritisch/entscheidend ist für eine Regularisierung der Bruderschaft, dann wird die Bruderschaft bloß in eine Übereinkunft treten gemäß welcher die Bruderschaft bestenfalls ,,zustimmen würde, um nicht zuzustimmen", und indem sie dies täte, würde die Bruderschaft ihren Zweck und ihren Sendungsauftrag verletzen.

k. [33.11] Die ,,Briefe zwischen den Bischöfen" enthüllen sehr ernste Differenzen ­ die nicht beantwortet wurden.

l. [33.12] Die 6 Bedingungen, welche die Bruderschaft Rom unterbreitet hat, an welche die FSSPX ,,sich bindet", sind ein Anzeichen für die ,,Schwäche" seitens der Bruderschaft und deren Abweichung/Abwendung von den Prinzipien des Erzbischofs Lefebvre.

m. [33.13] Bedingung 1 gibt der Bruderschaft keinen wirklichen Schutz und ,,heilt" nicht die lehrmäßigen strittigen Fragen zwischen Rom und der Bruderschaft.

n. [33.14] Bedingung 3 (die Garantie für mindestens einen Bischof) bedeutet, dass die Bruderschaft auf nur einen Bischof ,,reduziert" werden könnte, und dies ist besorgniserregend in Anbetracht der Position Roms, dass man die Position der ,,drei anderen Bischöfe" separat behandeln werde.

o. [33.15] Eine der wünschbaren Bedingungen ist ,,Unser eigenes kirchliches Gericht in erster Instanz". Dies deutet darauf hin, dass die Bruderschaft ihre Position geändert hat und dass die Bruderschaft bereit wäre, sich und ihre Pfarreiangehörigen den ,,modernen" Gerichten zu unterwerfen in Umständen, in welchen keine Veränderung der Praxis jener Gerichte stattgefunden hat.

p. [33.16] Die Bedingungen für eine Einigung enthalten eine wünschbare Bedingung, die eine ,,Ausnahme von Häusern der Bruderschaft St. Pius X. gegenüber den diözesanen Bischöfen" vorsieht. Diese Bedingung und die Tatsache, dass sie nur wünschbar ist, beweist, dass die Oberen der Bruderschaft zugeben, dass sie bereit sind, eine Vereinbarung abzuschließen, im Rahmen derer die Werke der Bruderschaft einem lokalen (Konzils-)Bischof unterworfen wären und dass eine derartige Administration Schwierigkeiten aufweisen werden.

q. [33.17] Die Bruderschaft ist noch nicht in der Lage gewesen, irgendwelche wirkliche ,,Sicherheiten"/"Absicherungen" aufzuzeigen, die, im Falle eines Übereinkommens, garantieren würden (oder überhaupt könnten), dass die FSSPX überleben und katholisch bleiben würde (im Übereinstimmung mit der Tradition). Die Bruderschaft ist noch nicht fähig gewesen, irgend einen realen Grund zu zeigen, warum die Position der Bruderschaft, im Falle eines Abkommens, anders sein würde verglichen mit den ,,übrigen" traditionellen Gruppen, die nach Rom zurückgekehrt sind.

r. [33.18] Die Geschichte des Benediktiner-Klosters St. Madeleine in Le Barroux, Frankreichi (dessen Oberer Dom Gerard war) stützt die Folgerung, dass die Bruderschaft nicht in ein praktisches Abkommen mit der Konzilskirche eintreten sollte. Im Besonderen hat es die Tatsache ,,dass unserem anti-modernistischen Predigen kein Schweigen auferlegt wurde" nicht davor geschützt.

s. [33.19] Die Geschichte der Bruderschaft des hl. Johannes Maria Vianney in Campos (Brasilien)ii stützt die Folgerung, dass die Bruderschaft nicht in ein praktisches Abkommen mit der Konzilskirche eintreten sollte. Insbesondere die Tatsache, dass Campos erklärte: ,,Wir verpflichten uns, alle noch offenen Fragen noch in Tiefe zu behandeln, unter Rücksicht auf Kanon 212 des Codes des Kanonischen Rechts (CIC) und in einem aufrichtigen Geiste der Demut und brüderlichen Nächstenliebe gegenüber allen" und sie dennoch nicht schützte.

t. [33.20] Die Geschichte des Instituts des Guten Hirteniii stützt die Folgerung, dass die Bruderschaft nicht in ein praktisches Abkommen mit der Konzilskirche eintreten sollte. Insbesondere die Tatsache, dass das Institut ,,lehrmäßige Freiheit" genießen sollte und es dennoch nicht schützte. Einer der ursprünglichen Priester des Instituts, Pater Paul Aulagier wurde von der Bruderschaft im Jahre 2003 ausgestoßen aus Gründen seiner öffentlichen Unterstützung der Wiederversöhnung zwischen der Bruderschaft und Rom. Pater Aulagnier's Standpunkt hat sich als falsch erwiesen durch die Tatsache, dass das Institut ,,gezwungen" wird, den Prinzipien der Konzilskirche zu ergeben, jedoch seine Gründe (für die Förderung einer Wiederversöhnung im Jahre 2003) sind die GLEICHEN wie jene, welche die Oberen der Bruderschaft benutzen, um die Wiedereingliederung im Jahre 2012 zu unterstützen. Jedoch, im Jahre 2012 möchte es scheinen, dass jene Priester (und Bischöfe), die gegen eine Wiederversöhnung argumentieren (aus Gründen, welche diejenigen, die 2003 verwendet wurden einschließen) aus der Bruderschaft ausgestoßen werden.

u. [33.21] Die Stellungnahmen alliierter Orden in Bezug auf ein vorgeschlagenes Abkommen zwischen der Bruderschaft und Rom scheinen konsistent zu sein mit den traditionellen Prinzipien der Bruderschaft, wogegen die Behandlung jener alliierten Orden, die sich gegen ein Abkommen geäußert haben, nicht übereinstimmend zu sein
scheint mit den traditionellen Prinzipien der Bruderschaft.

v. e[33.22] Die Priester und Bischöfe, die gegen ein Abkommen gesprochen haben, scheinen bedroht zu werden mit einem aktuellen oder angedrohten Ausschluss aus der Bruderschaft mit der Begründung, dass sie gegen ihre Oberen rebelliert haben, während die Wahrheit zu sein scheint, dass die ,,Rebellion" begangen worden ist von jenen in der Bruderschaft, die ein solches Abkommen favorisiert haben und dabei gegen die Prinzipien und die Tradition der Bruderschaft rebelliert haben.

w. [33.23] Die Behauptung, dass Erzbischof Lefebvre mit Rom ein Abkommen schließen würde unter den gegebenen Bedingungen, ist unvereinbar mit den Worten und Taten des Erzbischofs Lefebvre.

34. Wenn ich die Situation zu verstehen versuche, kann ich mich nur wundern, ob die Erklärung für die Situation so ist wie sie im Brief von Pater Violette in Bezug auf Pater Aulagnier (ein Priester der Bruderschaft, der 2003 ausgeschlossen wurde wegen seines öffentlichen Unterstützung einer Wiederversöhnung zwischen der Bruderschaft und Rom), in welchem Pater Violette sagte :
In meiner Meinung denke ich, dass wir hier den wahren Grund der Veränderung Pater Aulagnier's sehen können. Der Kampf geht weiter. Er war im Zentrum dieses Kampfes während mehr als 30 Jahren. Vielleicht ist er des Kampfes überdrüssig ! Doch dies ist nicht das erste Mal, dass ein Konflikt bezüglich des Glaubens für lange Zeit gedauert hat. Die Arianische Krise dauerte über 70 Jahre, das Papst-Exil in Avignon 68 Jahre, das große Schisma 39 Jahre. Ist dies ein Grund, den Kampf aufzugeben, zu irgendeinem Abkommen zu gelangen? Es ist gut, das der hl. Athanasius darob nicht müde wurde, verbannt, bedroht, falsch angeklagt, exkommuniziert etc. zu werden. Er wäre nicht der heilige Athanasius.14

Stephen J. Fox

28. Oktober 2012, Christ-Königs-Fest.

Dieses Dokument [in Englischer Originalfassung] kann gefunden werden unter : http://isthisoperationsuicide.wordpress.com/

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Subject : Is this Operation Suicide?

Über den Autor :
Stephen Fox wohnt in Brisbane, Australien, mit seiner Frau und zehn Kindern. Er hat Abschlüsse in Wirtschaft und Recht und übt Wirtschaftsrecht. Stephen hat die Traditionelle Lateinische Messe seit ungefähr 1978 regelmäßig besucht, anfänglich zelebriert von Pater Buckley und dann zelebriert von Priestern der Bruderschaft St. Pius X.


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1. Is his Operation Suicide? An Analysis of the evidence relating to an agreement between the Society of Saint Pius X and the Conciliar Church of Rome ­ With material compiled by Stephen J. Fox

2. Erzbischof Lefebvres Ansprache an seine Priester, gegeben zu Ecône, Schweiz, am 6. September 1990, siehe : http://www.sspx.org/archbishop_lefebvre/two_years_after_the_consecrations.htm


4. In seiner Predigt zur Zeit der Weihe der vier Bischöfe im Jahre 1988, in Bezug auf das Abkommen, das er unterschrieben und dann im Mai 1988 wieder zurückgenommen hatte :

5. Ich nehme Kenntnis davon, dass das Generalkapitel im Juli 2012 eine Erklärung abgegeben hat, in welcher dieses festhielt: ,,Wir haben unsere tiefe Einheit und unsere wesentliche Mission wiedergefunden: den katholischen Glauben zu erhalten und zu verteidigen...". Es kann kein
,,Wiederfinden" oder vermeintliches Wiederfinden geben, es sei denn natürlich, dass es einen Verlust der Einheit vor dessen Wiederfinden gegeben hat. Ich meine, dass eine wahre ,,Einheit" nur wiedergefunden werden könnte, wenn der Grund für die Uneinigkeit behoben würde. Ich frage mich, ob eine Einheit wiedergefunden wurde oder nur der Anschein einer solchen.

6. ,,Die Lebensbeschreibung Marcel Lefebvres" geschrieben von Bischof Tissier de Mallerais, Seite 613

7. The Mouth of the Lion`, Dr. David Allen White, Seite 97 und Seite 225

8. Erzbischof Lefebvre und der Vatikan, 30. Juni 1988, Erklärung des Bischofs Antonio de Castro Mayer :
http://www.sspxasia.com/Documents/Archbishop-
Lefebvre/Archbishop_Lefebvre_and_the_Vatican/Part_I/1988-06-30C.htm

9. Am 23. September 2011 pries Papst Benedikt Martin Luther und im Oktober 2011 nahm der Papst an einem Treffen in Assisi teil, bei dem nicht nur alle Arten von Religionen zusammenkamen, sondern auch Atheisten, welchen erlaubt wurde, natürlich nicht ihren Glauben, sondern ihren Standpunkt hinsichtlich des Glaubens zu bekunden.

10. Zur Bestätigung der Ernennung des Bischofs De Galarreta siehe die Presseerklärung der SSPX unter :

11. Dies ist ein Auszug aus einer abgekürzten Version einer Übersetzung des von Seiner Exzellenz Bischof de Galarreta geschriebenen Dokuments, der der Vorsitzende der Rom-SSPX-Kommission war für die theologischen Gespräche. Ich gehe davon aus, dass das Dokument erhältlich gemacht wurde anlässlich des Treffens der SSPX-Oberen im Oktober 2011 in Albano, Italien, und dass dieses
Dokument während der letzten Juniwoche 2012 veröffentlicht wurde. 

12. Die 1974er Erklärung von Erzbischof Lefebvre, 21. November 1974

13. Dieses Interview erschien in der Juli-August 1989 Ausgabe der Zeitschrift Fideliter der Bruderschaft in Frankreich. Siehe :

14. Brief von Pater Violette an die Gläubigen datiert Dezember 2003, siehe :

i Abbaye Sainte-Madeleine du Barroux

ii Personal Apostolic Administration of Saint John Mary, Campos

iii Institut du Bon Pasteur